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Neues aus Jakutsk
Freitag, 7. April 2006


Beste Gruesse aus Jakutsk! Das Wetter in Jakutsk ist herrlich, der Fruehling beginnt und die Sonne strahlt. Voegel hoert man zwar noch nicht, aber bei Minus 10 Grad ist auch nicht jedem nach Singen zu Mute. Jakutsk ist Deutschland um 8 Zeitzonen voraus und etwa 8500 km Luftlinie von Moskau entfernt.

Jakutsk ist die Hauptstadt Jakutiens oder wie man hier sagt, der Republik Sacha. Sacha bedeutet Mensch auf jakutisch. Die Einwohnerzahl betraegt um die 1 Million, die Haelfte sind Jakuten, circa 40 Prozent Russen, und dann gibt es noch kleinere Volksgruppen hier: Burjaten, Ukrainer, Evenen, Evenken, Jukagiren und Tungusen.

So, das sind die offiziellen statistischen Zahlen, wie sie im Wikipedia zu finden sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sacha

Aber es gibt auch Volksgruppen, die in keiner Statistik auftauchen, weil sie keine Arbeitserlaubnis haben, die aber trotzdem hier ihren Geschaeften nachgehen.
Die Chinesen haben einen eigenen Markt und verkaufen Textilien, Schuhe und kurzlebigen Elektronikramsch.
Armenier, Tadschiken, Georgier und andere schlagen sich als Bauarbeiter und Zimmerleute durch.

Fuer die Einwohner ist reichlich Platz, immerhin ist Sacha die groesste Region Russlands, die Groesse vergleichbar mit der Indiens.

Das Land ist reich an Rohstoffen: Diamanten, Gold, Erdgas und Oel u.a. und -hold on to your seat- Mammutelfenbein.

Der sibirische Permafrostboden hat eine grosse Zahl dieser Kuscheltiere leben und sterben sehen und so werden auch heute noch Mammutstosszaehne ausgegraben und an die weltweite Schmuckindustrie (und chinesische Wundermittelmafia, wer weiss) verkauft.

Ich selbst bin hier vorletzten Freitag angekommen und herzlich aufgenommen worden. Das Irkutsker Department der franzoesischen Kultursinstitutkette "Alliance Francaise" hatte mir einen Kontakt zur hiesigen Hochschule verschafft, und da Auslaender hier selten sind,
darf ich mir nun die oertlichen Franzoesisch-Studenten als Uebersetzer kostenlos ausleihen.
Als dann der Studiengang Deutsch das Gleiche mir anbieten wollte, wurde ihm beschieden, dass ich bereits vergeben sei.

Trotzdem habe ich in den Tagen, die ich hier bin, bereits die "Woche der deutschen Sprache" mit eroeffnen koennen.
In einer flammenden Rede plaedierte ich fuer Rede-und Pressefreiheit, schalt Schroder (...ist ein lupenreiner Demokrat) und gab zum Abschluss ein Gedicht von Georg Britting-vorgeblich nur deswegen, weil der Text von "die Gedanken sind frei" in Russland nicht mehr erhaeltlich sei.

So vernahm Jakutsk wohl zum ersten Mal in seiner Geschichte diese

Zeilen:http://www.britting.com/gedichte/4-063.html


...Schwerer Applaus von 400 Haenden schlug wie Stahlgewitter auf mich nieder. Lahme konnten wieder gehen, Unterwaesche wurde wieder feucht
Ach, gerne wuerde ich mehr erzaehlen, aber die Miliz sagt, das naechste Mal, wenn sie einen Saal wegen mir raeumen muessen, werde ich erschossen...

 
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