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Mein zweiter Auftritt in Asien brachte mir viel Lob ein-von grossen jakutischen Schauspielern und Regisseuren. Selbst der jakutische Kultusminister, den ich hier eines Tages bei Dreharbeiten traf, sagte zu mir: Ich habe gehoert, dass sie ein herausragender Schauspieler sind. Seine Frau hatte die Auffuehrung gesehen. Dazu muss man wissen: Seine Frau, Stepanida Borissova, ist mit Abstand hier die beruehmteste Theaterschauspielerin-und das zu Recht. Ganz besonders angetan war aber eine junge jakutiche Regisseurin namens Lena, die gerade als Jahrgangsbeste ihr Diplom abgeschlossen hatte. Da ihre Arbeiten am Theater mir auch ganz besonders gefielen, lag es natuerlich nahe, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Und so warfen wir Ideen zusammen und beschlossen ein neues Gernot Grimm-Spektakulum zu entwerfen, mit Einblicken in einige ganz besondere schamanistische Theatertexte. Um nun in Ruhe arbeiten zu koennen, hatte ich mir hier eine neue Wohnung angemietet. In dieser Wohnung wurde ich nun gestern beinahe zweimal vom Strom erschlagen. Zum ersten Mal am fruehen Nachmittag. Ich hatte die etwas siffige Wohnungsmatratze (Aroma:Wodkatabak) ordentlich in der Badewanne durchgewaschen und trug sie zum Trocknen nach draussen. Kurz nachdem ich aus der Wohnung ins Treppenhaus trat, mitsamt triefender Matratze, schossen urploetzlich Stromstoesse durch meinen Koerper. Ich liess die Matratze fallen, was mir nun aber nicht sofort gelang, da durch die Stromstoesse meine Haende verkrampft waren. Trotz allem: Es gelang. Ich war nach wie vor am Leben und fragte mich: Woher kam der Strom ? Hatte sich die Matratze beim Waschen selbst aufgeladen? Des Raetsels Loesung fand sich schnell, als ich den Tuerknauf ergriff. Wieder schlugen Stromstoesse durch meinen Koerper. Aha, die Tuer also. Aber woher kommt der Strom in ihr?In einem echten russischen Treppenhaus laufen ja sowieso immer eine Reihe seltsamer Leitungen auf kurvenreichen Bahnen ueber die Waende ohne das man genau weiss, wozu, wieso und warum. So lagen auch an meiner Tuer verschiedene Kabel an. Unmoeglich schien es, unter all diesen moeglichen Verursachern selbst den Richtigen zu finden. Ein Elektriker musste her. Der Elektriker fand dann auch die Ursache. Die Kabel an meiner Tuer waren allesamt harmlos, aber n meiner Wohnung selbst fanden sich zwei offene Kabel, die in 2.30 Meter Hoehe, direkt ueber dem Zaehlerkasten haengend, beschlossen hatten, sich gluecklich zu vereinen. Aus ihrer Verbindung entsprang der Strom, der mich so abrupt auf der Tuerschwelle hatte zappeln lassen. Problem erkannt, Problem gebannt. Nur seltsam: Wieso konnten in einer Wohnung, in der ich allein gewesen war, in einer Hoehe, fern der Reichweite meiner Haende, von einem Moment zum naechsten sich zwei Kabel beruehren, die es vorher nicht getan hatten? Vorher stand die Tuer immerhin nicht unter Strom. Die Frage blieb nicht allzu lange ohne Anwort…
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