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Aus meiner Twilight-Zone: Der beinah zweite schwere Stromschlag |
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Dienstag, 20. Juni 2006 |
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Der gleiche Tag-der beinah zweite Stromschlag Beim Aufraeumen im Verlauf des Tages fand ich ein seltsames Zeichen hinter dem Bett, ein russischer Groschenroman mit dem Titel:
"Geschichten vom Sterben - es kann sein" Ich bezog es auf den vorigen Stromschlag. Spaeter besuchte ich eine Uebersetzerin und gab ihr einige jakutische Texte zur Uebertragung ins Deutsche, darunter einen sehr bedeutsamen jakutischen Schamanentext. Abends nun nahm ich ein Bad: Waehrend ich gluecklich in der Badewanne lag, schaute ich nach links, zur Toilette. Sie kam mir seltsam vor, sie war ganz in Schwarz, mit einigen dunklen Blumen, die sich boese vom Grund abhoben. Ich dachte bei mir: Diese Blumen, sie sehen aus wie Todesblumen. Aber was hatte es damit auf sich? Rechts von der Toilette sah ich, knapp ueber dem Boden angebracht und mit den Kontakten nach oben ragend, eine Steckdose. Ich sah sie zum ersten Mal. Ein Putzlappen, der vorher auf ihr lag, war zur Seite gerutscht und gab den Blick frei. Ich dachte bei mir, eine Steckdose, dort unten angebracht, koennte leicht in Kontakt mit Wasser kommen. Das kann gefaehrlich werden. Aber bis jetzt gab es ja noch keinen Grund, warum so etwas passieren sollte. Fuenf Sekunden spaeter passierte folgendes: Mit einem lauten Geraeusch platzte der Schlauch des Duschkopfs von der Badewannenarmatur. Aus der Badewannenarmatur spritzte nun ein Wasserstrahl direkt auf die auf dem Boden aufliegende Steckdose. Auch liessen sich die Wasserhaehne nicht schliessen. In wenigen Sekunden drohte der ganze Badezimmerboden, mitsamt Steckdose, unter Wasser zu stehen. Geistesgegenwaertig sprang ich aus der Badewanne, hechtete zum Stromkasten im Flur und legte den Hauptsicherungsschalter auf Null. Erst dann drehte ich das Wasser ab. Dieser Vorfall hatte etwas geradezu Filmreifes an sich. Die Choreografie der Bilder, die sich vor meinem Auge entfaltete, folgte einer sehr wirkungsvollen Dramaturgie - der Dramaturgie eines Attentats. Beim Zudrehen des Wasserhahns hatte ich, ohne es zu merken, mir in die Hand geschnitten. Mit der Hand hatte ich mir ueber die Brust gestrichen, auf der nun von links nach rechts, ueber die Herzgegend eine rote Blutlinie ging. Mit der Regisseurin Lena besprach ich die beiden Vorfaelle. Wir kamen zu dem Schluss, dass es besser sei, fuer unsere Theaterarbeit auf den jakutischen Schamanentext zu verzichten, den ich gerade erst zur Uebersetzung gegeben hatte. Etwas hatte zu deutlich gezeigt, dass dieser Text nicht erwuenscht sei. Ausserdem sagte sie, dass sie bereits vorher von anderen Theatermachern vor diesem Text gewarnt worden sei. Und auch ich erinnere mich, dass mir bereits vor drei Jahren, bei einem Besuch in Burjatien gesagt wurde, dass dieses Stueck gefaehrlich sei. Nun also hatte ich es auch am eigenen Leib erfahren duerfen. Gut, ich wuerde dieses Stueck nicht verwenden. Nach dieser Entscheidung wurde mein Herz wieder ruhiger. Nur im Badezimmer blieb noch einige Stunden die Anwesenheit einer sehr dichten und anderen Energie spuerbar. Gegen 4 Uhr morgens, zum Tagesanbruch hin, verschwand diese Energie wieder, genau so ueberraschend, wie sie gekommen war. Der Elektriker aber, den ich dann rief, um die Steckdose still zu legen, fand noch einige mit brutalstmoeglicher Todesverachtung verlegte Kabel, die mich um einiges haetten aus dem Leben hauen koennen. |
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Aus meiner Twilight-Zone: Der erste Stromschlag |
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Dienstag, 20. Juni 2006 |
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Mein zweiter Auftritt in Asien brachte mir viel Lob ein-von grossen jakutischen Schauspielern und Regisseuren. Selbst der jakutische Kultusminister, den ich hier eines Tages bei Dreharbeiten traf, sagte zu mir: Ich habe gehoert, dass sie ein herausragender Schauspieler sind. Seine Frau hatte die Auffuehrung gesehen. Dazu muss man wissen: Seine Frau, Stepanida Borissova, ist mit Abstand hier die beruehmteste Theaterschauspielerin-und das zu Recht. Ganz besonders angetan war aber eine junge jakutiche Regisseurin namens Lena, die gerade als Jahrgangsbeste ihr Diplom abgeschlossen hatte. Da ihre Arbeiten am Theater mir auch ganz besonders gefielen, lag es natuerlich nahe, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Und so warfen wir Ideen zusammen und beschlossen ein neues Gernot Grimm-Spektakulum zu entwerfen, mit Einblicken in einige ganz besondere schamanistische Theatertexte. Um nun in Ruhe arbeiten zu koennen, hatte ich mir hier eine neue Wohnung angemietet. In dieser Wohnung wurde ich nun gestern beinahe zweimal vom Strom erschlagen. Zum ersten Mal am fruehen Nachmittag. Ich hatte die etwas siffige Wohnungsmatratze (Aroma:Wodkatabak) ordentlich in der Badewanne durchgewaschen und trug sie zum Trocknen nach draussen. Kurz nachdem ich aus der Wohnung ins Treppenhaus trat, mitsamt triefender Matratze, schossen urploetzlich Stromstoesse durch meinen Koerper. Ich liess die Matratze fallen, was mir nun aber nicht sofort gelang, da durch die Stromstoesse meine Haende verkrampft waren. Trotz allem: Es gelang. Ich war nach wie vor am Leben und fragte mich: Woher kam der Strom ? Hatte sich die Matratze beim Waschen selbst aufgeladen? Des Raetsels Loesung fand sich schnell, als ich den Tuerknauf ergriff. Wieder schlugen Stromstoesse durch meinen Koerper. Aha, die Tuer also. Aber woher kommt der Strom in ihr?In einem echten russischen Treppenhaus laufen ja sowieso immer eine Reihe seltsamer Leitungen auf kurvenreichen Bahnen ueber die Waende ohne das man genau weiss, wozu, wieso und warum. So lagen auch an meiner Tuer verschiedene Kabel an. Unmoeglich schien es, unter all diesen moeglichen Verursachern selbst den Richtigen zu finden. Ein Elektriker musste her. Der Elektriker fand dann auch die Ursache. Die Kabel an meiner Tuer waren allesamt harmlos, aber n meiner Wohnung selbst fanden sich zwei offene Kabel, die in 2.30 Meter Hoehe, direkt ueber dem Zaehlerkasten haengend, beschlossen hatten, sich gluecklich zu vereinen. Aus ihrer Verbindung entsprang der Strom, der mich so abrupt auf der Tuerschwelle hatte zappeln lassen. Problem erkannt, Problem gebannt. Nur seltsam: Wieso konnten in einer Wohnung, in der ich allein gewesen war, in einer Hoehe, fern der Reichweite meiner Haende, von einem Moment zum naechsten sich zwei Kabel beruehren, die es vorher nicht getan hatten? Vorher stand die Tuer immerhin nicht unter Strom. Die Frage blieb nicht allzu lange ohne Anwort… |
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Mein erster Auftritt in Asien |
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Mittwoch, 7. Juni 2006 |
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Gernot live in Jakutsk Bei zwei Villon-Gastspielen in Jakutsk gelang es mir Schrecken und Begeisterung gleichermassen zu saeen. Der erste Auftritt fand an der Universitaet, in bekannt muffigen Uni-Raeumen statt. Ich war als deutsch-franzoesischer Schauspieler angekuendigt, dementsprechend gab es Plakate auf Deutsch, Franzoesisch und Russisch, die auf die Veranstaltung hinwiesen.Dank einer unaufmerksamen Universitaetsmitarbeiterin gelang es mir, die Warnung "Deutsch-Franzoesisches Kulturmassaker" auf allen Plakaten unterzubringen. Doch wie immer, wenn es um Kultur geht, die Menschen erwarten das Beste und stroemten zahlreich in den Raum 818 der Jakutsker Fremdsprachenuniversitaet. Ich begann, ganz Literat, mit einer ruhigen Rezitation, die ich nach zwei Gedichten und zwei Schlucken, mit denen die Weinflasche geleert war, in die bekannt rauschhafte Gewaltmobilmachung umkippen liess.
Ach, wie aus sinnig laechelnden Feingeistern in Sekunden jede Freude schwand. Zwei Lehrkoerper hielten es nicht aus, und verliessen abrupt den Raum. Den Studenten, war der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Da raucht und saeuft jemand in einen Uniraum(und ist kein Professor). Ist jetzt alles vorbei? Wird er die Uni verlassen muessen? Und wir auch? Wir, die wir alles gesehen haben und nicht eingeschritten sind.(Tja, so sind die Studenten hier). Der Vizedekan, der das Ganze ja genehmigt hatte, kam auch in Erklaerungsnoete. Gibt es doch ein Erziehungsamt, dass die Universitaet ueberwacht und auf rigorose Einhaltung aller Regeln besteht. Doch fand er dann doch noch die richtigen Worte im Anschluss: Es handelte sich um einen Auftritt, der auf die Schrecken von Alkohol und Drogen hinweisen wollte. Und auch so kann man es schliesslich sehen. Eine sehr beeindruckte Dozentin fragte mich gar, ob ich durch solche energiegeladenen Auftritte nicht meine Lebenszeit beachtlich verkuerze. Interessante Frage, auf die wohl erst mein Tod die passende Antwort wird geben koennen. Bis dahin denke ich mal: Eher nicht. Einer anwesenden Regisseurin vom Staatstheater gefiel mein Auftritt hingegen mehr als sehr. Und so bekam ich dann die Einladung am Jakutischen Kunstinstitut vor wichtigen Regisseuren und Schauspielern des Landes zu spielen. Nachzulesen ist dies auf einer Webseite, die ich gerade vergessen habe. Aber Sie koennen sie finden. Einfach www. ya. ru (russische Google-Variante) oeffnen und meinen Namen auf Russisch eintippen: гернот гримм. Ich stehe an der ersten Stelle. Eine Fotostrecke zu diesem Auftritt können Sie sich gerne in der Galerie anschauen. |
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